Leicht erhöht, direkt an der Kantonsstrasse zwischen Altbüron und St. Urban, steht seit kurzem ein neues Bauernhaus, das alle Blicke auf sich zieht. Der stolze Ersatzneubau der Bio-Bauernfamilie Bucheli erstrahlt in den historischen Zügen eines traditionellen Bauernhauses – jedoch mit allen Vorzügen eines Neubaus. Das Bijou aus Holz hat gerade das «Label Schweizer Holz» erhalten und ist für den Prix Lignum 2021 angemeldet.

Plötzlich fahren die Autos langsamer über die viel befahrene Hauptstrasse bei Altbüron. Das neue Bauernhaus von Jasmin und Pirmin Bucheli strahlt mit der blühenden Natur um die Wette. Herzen und Tulpen schmücken die Laubenbrüstungen, die Fenstersimse haben gerundete Profile, verzierte Büge tragen die Jahreszahl … – mit viel Liebe zum Detail erscheint das neue Bauernhaus mit vielen traditionellen Elementen. So hat auch die Fassade die Optik eines traditionellen Ständerwerks, ist jedoch mit einer hinterlüfteten Massivholzschalung realisiert. In der Konstruktion und bei der Fassade wurde ausschliesslich Schweizer Holz verwendet. Die Bauherren, die im eigenen Hofladen Bio-Eier verkaufen, sind gerade erst von der Übergangslösung Wohnwagen in ihr Schmuckstück gezogen. Ein Interview über Werte, Bauerlebnisse und Bio-Eier.

Liebe Jasmin, lieber Pirmin – war der Ersatzbau dieses Bauernhauses euer erstes Bauprojekt?

Es war unser zweites Neubauprojekt. Wir hatten das Glück, dass wir bereits im 2009 unser Traum vom Eigenheim im Dorf St. Urban realisieren konnten. Damals waren meine Eltern noch die Bewirtschafter des Bio-Hofs Ludligen. Jasmin und ich gingen beide noch auswärts arbeiten, bis wir dann 2013 den elterlichen Hof übernahmen. Wir haben dann bemerkt, dass es aufgrund der Tierhaltung vorteilhafter wäre, wenn wir vor Ort leben könnten. Somit kam der Stein ins Rollen mit dem Ersatzbau-Gedanken, als wir in das fast 200-jährige Bauernhaus umgezogen sind.

War ein Ersatzbau von Anfang an klar – oder gab es am Anfang andere Ideen?

Für uns war immer klar, dass ein Neubau angestrebt werden muss und auch kostenmässig zielführender ist als ein Umbau mit vielen Überraschungen. Da das alte Bauernhaus im Bauinventar unter «erhaltenswert» eingestuft war, musste auch die Umbau-Variante geprüft werden. Erste Kostenvoranschläge haben dann bestätigt, dass ein kompletter Umbau teurer würde, als ein Abriss mit Ersatzneubau. Im Weiteren haben diverse Gutachten von Holzbau-Ingenieuren gezeigt, dass das alte Holztragwerk bei einem Umbau den neuen Auflasten der Renovation und zusätzlich dem Schneedruck nicht standhalten würde. Auch Brandschutz- und Schallschutz-Auflagen wären im Zuge einer Sanierung schwierig zu lösen gewesen. Aufgrund dieser heiklen Frageabklärungen während des Baubewilligungsverfahrens ging die Planungs-Phase ca. 3 ½ Jahre lang.

Wann ging es dann richtig los mit dem Bauprozess?

Die Freude war gross, als die Baubewilligung im Mai 2020 ins Haus gekommen ist – mit der Zusage zum Abriss mit Ersatzneubau. Als erstes stand also das Projekt «Abbruch und Rückbau» auf dem Plan. Die Bagger sind dann bereits im September aufgefahren. Mit unseren zwei Kindern sind wir dann in einen Wohnwagen auf unserem Hof gezogen, da wir vor Ort bei unseren Tieren sein wollten. Das Herbstwetter hat es zum Glück gut mit uns gemeint und wir konnten viel Grillieren und hatten «Camping-Feeling». Aber der doch etwas harte und kalte Winter hat dann auch Energie gekostet und die Vorfreude auf den Einzug ins neue Haus wurde immer grösser. Meine Frau hat dann gegen Schluss mit einer «Strichli-Liste» im Wohnwagen das Ende des «Zigeunerlebens» visualisiert…

Wie habt ihr den weiteren Bauprozess erlebt?

Es war von A bis Z ein sehr guter und gelungener Bauablauf. Die Planung bis zur Baubewilligung hat dubach plant AG durchgeführt, ebenfalls hat ein versierter Bauleiter die Termin- und Baukoordination übernommen. Da Planung und Holzbau aus dem gleichen Haus kommen, gab es keine Schnittstellenprobleme und sehr schnelle und kurze Entscheidungswege. In einer ersten Phase wurde das Holzremise von der Dubach Holzbau AG erstellt. Schon kurz darauf – Anfangs November 2020 – war es dann soweit: Innert 4 Tagen wurde das komplette Holzhaus aufgerichtet.

Uns hat die grosse Motivation und der Berufsstolz von diesen jungen Zimmermannsleuten echt fasziniert. Sie gehen mit Leidenschaft zur Sache und haben sehr genau und konzentriert gearbeitet. Mit viel Liebe zum Detail!

Wir sind sehr froh, dass wir in Zusammenarbeit mit der Firma Dubach sämtliche Arbeitsvergaben an Unternehmer in der nahen Umgebung vergeben konnten. Vier Unternehmer kamen aus dem eigenen Dorf. Uns, wie auch für die Firma Dubach war es wichtig, regionale Anbieter, sprich unser Gewerbe, zu berücksichtigen. Die Zusammenarbeit war sehr bereichernd und wir würden sofort wieder mit Dubach bauen.

Seit kurzem wohnt ihr nun in eurem neuen Haus!

Ja! Nur sieben Monate nach dem Auffahren der ersten Bagger sind wir jetzt ins neue Haus eingezogen. Die Kinder haben sich sehr auf ihre eigenen Zimmer gefreut. Und wir uns über das grosszügige Zuhause! Der feine Holz-Duft liegt jetzt in der Luft, wenn man ins Haus eintritt. Das Wohnklima ist äusserst angenehm. Ebenfalls begeistert uns die Dämmung und Isolation; man hört kaum noch die Autos, welche in einer Distanz von 6 m durchfahren. Und die Heizung braucht wenig Energie, weil der Dämmwert sehr gut ist. Von unseren zahlreichen Besuchern bekommen wir viel Lob für das Raum- und Farbkonzept, welches in Zusammenarbeit mit dubach plant ag und dem Farb- und Raumgestalter Herbert Bürli erstellt wurde.

Welchen Bezug habt ihr zum Baustoff Holz? Wie wichtig ist euch Ökologie?

Da wir selber auch Wald besitzen und vorher die Zentralheizung mit Stückholz befeuert haben, war der Baustoff Holz für uns sehr wichtig. Da das alte Bauernhaus ebenfalls komplett aus Holz war, wollten wir ein wesensgleiches Bauernhaus ebenfalls wieder aus Fichtenholz erstellen. Das würdigt in unseren Augen auch die Erinnerung an das alte Bauernhaus resp. mein Geburtshaus, welches zig Generationen ein Dach über dem Kopf gegeben hat. Für uns war auch sonnenklar, wenn mit Holz gebaut wird, dann kommt nur Schweizer Holz in Frage. Das verbaute Holz kommt nun aus unseren umliegenden Wäldern. Somit bleibt die Wertschöpfung in der Region und das Holz «kennt» die klimatischen Bedingungen von unserer Umgebung. Uns war bewusst, dass Schweizer Holz etwas teurer wird, aber aus den genannten Gründen war es uns das wert. Ökologie ist für uns ebenfalls ein wichtiges Element. Wir bewirtschaften den Hof seit über 30 Jahren nach den Richtlinien des Biolandbaues. Deshalb hat uns auch der Dämmbaustoff des neuen Hauses sehr interessiert welcher mit «Zellulose» bereits bei der Dubach Holzbau AG in Hüswil in den Elementbau integriert wird.

Apropos Biolandbau. Ihr habt einen Bio-Hofladen – was gibt es dort alles zu kaufen?

Genau! In unserem kleinen Hofladen vis-à-vis des Bauernhauses gibt es frische Bio-Eier zu kaufen. Sporadisch auch Hühner- und Rindfleisch von unseren Tieren. Das Sortiment wird von Sirup, Konfitüren, Teemischungen und Kosmetikprodukten von meiner Mutter ergänzt. Der jeweils kurze Dialog mit unseren Hofladen-Kunden freut uns immer wieder und gibt frischen Wind in den Alltag.

Wir wünschen Jasmin, Pirmin und den beiden Jungs weiterhin alles Gute in ihrem wunderschönen Bauernhaus!

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